Am Inselspital wird Forschung in der Pflege vom Bereich Pflegeentwicklung und Forschung der DPMTT unter der Leitung von Frau Dr. V. Hantikainen gefördert und koordiniert. Diese Forschung hat zum Ziel, Gesundheitsergebnisse für Patienten/Patientinnen und ihre Angehörigen zu verbessern. Es werden spezifisch pflegerische Forschungsfragen beantwortet, d.h. Fragen, die sich aus Situationen ergeben, wo Menschen Pflege benötigen.
E. Spichiger, RN, PhD, V. Hantikainen, RN, PhD, H. Stoll, RN, MSc, C. Müller-Fröhlich, MNS
Hintergrund: Patienten mit Krebs leiden unter einer Vielzahl von oft belastenden Symptomen. Entsprechend sollte eine gute Symptomkontrolle ein Eckpfeiler jeder Krebsbehandlung sein. Defizite in der Symptomforschung, eine lückenhafte Wahrnehmung der Problematik durch Ärzte und Pflegende und fehlendes Fachwissen verhindern jedoch häufig eine umfassende Erhebung von Symptomen und evidenzbasierte Interventionen. Folglich ist die Symptomkontrolle oft nicht optimal und viele Patienten leiden unnötigerweise. Patienten mit Krebs leiden typischerweise unter 4-11 Symptomen, die Symptomprävalenz variiert nach Untersuchungsorten. Fatigue ist oft das häufigste Symptom bei Patienten mit Chemotherapie oder fortgeschrittener Krankheit (70-100%).
Zweck und spezifische Ziele: Mit dieser Studie soll die Prävalenz von Symptomen (inklusive Fatigue und andere durch Anämie bedingte Symptome) erfasst und deren Entwicklung im Verlauf beschrieben werden. Primäre Studienziele: 1) für eine Gruppe von hospitalisierten Patienten mit fortgeschrittener Tumorerkrankung beschreiben, welche Symptome sie erfahren und wie sich diese Symptome über 10 Tage entwickeln. 2) für eine Gruppe von ambulanten Patienten, die mit einer Chemotherapie beginnen, beschreiben, welche krankheits- und therapiebedingten Symptome sie erfahren und wie sich diese Symptome über 3 Monate entwickeln. Mit einer qualitativen Teilstudie soll exploriert werden, wie ambulante Patienten, die eine Chemotherapie erhalten, mit Fatigue umgehen.
Design: Eingesetzt werden ein prospektives, deskriptives Design zum Erfassen der Symptomerfahrungen und qualitative Methoden zum Explorieren des Umgangs mit Fatigue.
Daten werden an drei Zeitpunkten erhoben: 1) innert 72 Stunden nach Eintritt, am 6. und 10. Tag des Spitalaufenthaltes; 2) vor Beginn der Chemotherapie und je 1 Woche vor der 3. und 4. Chemotherapie. Ca. 20 ambulante Patienten werden mittels Interviews zu ihrem Umgang mit Fatigue befragt.
Untersuchungsgruppe und –orte: Es werden 135 konsekutiv hospitalisierte Patienten, die im Inselspital (Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gynäkologie der Frauenklinik) und im Universitätsspital Basel (Medizin B und HNO) betreut werden, einbezogen.
Hauptvariablen und Messinstrumente: Für Patienten mit Krebs validierte Instrumente werden eingesetzt: 1) Die Memorial Symptom Assessment Scale (MSAS) erfasst 32 Symptome (Auftreten, Häufigkeit, Intensität und Belastung); 2) die FACIT Fatigue Scale umfasst 13 Fragen und die Anemia Additional Concerns Scale erfasst 7 Symptome, die durch Anämie verursacht werden können; 3) die Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS-D) wird eingesetzt zum Erfassen von Depressivität; 4) mit dem Eastern Cooperative Oncology Group Performance Status (ECOG-PS) schätzen Patienten ihre Leistungsfähigkeit ein. Zusätzlich werden relevante demographische und klinische Daten erfasst.
Analyse: Deskriptive statistische Analysen, Friedman Tests, T-Tests für abhängige Stichproben, Wilcoxontests für Paardifferenzen sowie Linear mixed models werden angemessen eingesetzt. Interviews werden mittels eines Grounded Theory Ansatzes ausgewertet.
Signifikanz: Die Studie wird umfassend Symptomerfahrungen beschreiben und damit die Grundlage liefern zum Aufbau eines Programms zum Entwickeln, Umsetzen und Testen von Interventionen, mit dem Ziel einer besseren Symptomkontrolle für Patienten, die an Krebs leiden.
Finanzierung: Schweizerische Krebsliga, Roche Pharma (Schweiz) AG, Suzy Rückert Stiftung